Märchenhafte Zeiten für die Ronsdorfer Anlagen

Das generationenübegreifende Projekt ist eine Herzensangelegenheit für alle

Christopher Heil, Fleur Vogel, Michael Heil und Ute-Scholl-Halbach (v.l.n.r.) freuen sich auf den Märchenpfad, der im Juli seine Pforten öffnen soll. (Foto: AS)

(Ro./AS) Sie treffen sich zum ersten Mal, und schon vom ersten Moment an wird klar, dass der Märchenpfad, der noch in diesem Sommer in den Ronsdorfer Anlagen entstehen soll, für jeden eine Herzensangelegenheit ist. Aber der Reihe nach: Mit ihren rund 30 Hektar Waldfläche sind die Ronsdorfer Anlagen für zahlreiche Menschen ein beliebtes Naherholungsziel, das in Zeiten der Pandemie eine ganz neue Wertschätzung erfährt. „Wir freuen uns über Jung und Alt“, betont Michael Heil, Vorsitzender des Ronsdorfer Verschönerungsvereins (RVV) und somit „Hausherr“ der Anlagen. Gemeinsam mit rund 650 RVV-Mitgliedern sorgt er für ein Walderlebnis gleich vor der Haustür, denn zahlreiche Mitglieder bringen ihre Arbeitskraft ehrenamtlich in den Erhalt und die Pflege der Anlagen ein. Einer von ihnen ist beispielsweise Marc Clemens. Der 50-jährige Dachdeckermeister ist Ronsdorfer mit Herz und Seele. Er schwärmt gern vom einzigartigen Zusammenhalt der Menschen im Stadtteil – und liefert gleich ein Beispiel: Anlässlich des 75-jährigen Bestehens seines Dach­deckerbetriebs hat er sich angeboten, das in die Jahre gekommene Dach des Gerätehauses am Friedenshort wieder auf Vordermann zu bringen. „Da fragt man nicht – man macht es einfach“, meint Clemens.
Zusammenhalt ist auch das Zauberwort in Sachen Märchenpfad: Generationenübergreifend soll der Märchenpfad im Herzen der Anlagen entstehen, wie Initiatorin Ute Scholl-Halbach betont: Die künftigen Stationen sollen zum Verweilen anhalten. Aus diesem Grunde plant das Orga-Team, Tondateien der einzelnen Märchen aufnehmen zu lassen, die sich dann via Smartphone anhören lassen.
Bewohner des benachbarten Altenheims sind ebenso involviert wie Ronsdorfer Kinder.  Alle werden die entsprechenden Märchen in dreiminütigen Clips einsprechen. „Durch die Installation der Märchentafeln im öffentlichen Raum nehmen die beteiligten Kinder aktiv an der Gestaltung ihres Wohnumfeldes teil, werden mit ihren Talenten sichtbar und bekommen Anerkennung“, nennt Vogel einen weiteren positiven Aspekt für das Projekt.  „Rapunzel wird sogar auf Rongsdroper Platt vorgelesen“, freut sich Ute Scholl-Halbach, die für die Mosaike des Pfades verantwortlich zeichnet. Sie hat auch die Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Kunst & Medien NRW (LAG KM) mit Sitz in Dortmund initiiert. „In diesem Projekt verbindet sich Mosaikkunst mit Medienarbeit“, sagt Fleur Vogel von der LAG. Sie koordiniert das Projekt gemeinsam mit den Ronsdorfer Partnern. Während im ersten Part unter der Leitung von Ute Scholl-Halbach die Mosaike entstehen, werden im zweiten Step die Kinder und die Senioren die Märchen einsprechen.
„Über eine Infotafel können die Besucher QR-Codes einscannen und sich die Märchen dann anhören“, beschreibt Vogel. Zwei Ronsdorfer Grundschulen sind in das Mitmach-Projekt involviert. Die Beteiligten sehen natürlich die coronabedingten Hürden, sind aber dennoch sicher, dass der Märchenpfad Anfang Juli bereits eröffnet werden kann. „Wenn der Märchenwald steht, ist eine Einweihung in Kleingruppen geplant, bei der antike digitalisierte Märchendias auf einer Großleinwand gezeigt werden und die entsprechenden Märchen dazu erzählt werden“, plant Fleur Vogel. Der Besuch des Märchenpfades in den Ronsdorfer Anlagen soll dabei kostenlos bleiben.
Die Finanzierung steht auf mehreren Säulen. Natürlich werden Spon­soren akquiriert, die sich beteiligen, aber auch auf den Spendenplattformen „betterplace.org“ und „WSWtaler“ kann jeder das Projekt unterstützen. Die LAG spricht von einem knapp fünfstelligen Betrag, der gestemmt werden muss, doch Fleur Vogel ist zuversichtlich, dass die Zahlen am Ende des Tages stimmen.
Nun gilt es, rund zehn Stationen auf einem kleinen Rundweg durch den „alten Teil“ der Anlagen zu installieren. Auch Schreinermeister Christopher Heil ist mit viel Hingabe dabei, denn seine Aufgabe ist es unter anderem, das Knusperhaus der Hexe aus „Hänsel und Gretel“ zu errichten, natürlich nicht aus Lebkuchen, sondern aus Holz, das der Verschönerungsverein dem Projekt stiftet. So leistet jeder seinen Beitrag zum Märchenpfad.
Dabei sind sich alle Beteiligten darüber im Klaren, dass der Zeitplan sportlich ist.

 

„Die Zwischenfälle häufen sich“

Brandserie in Ronsdorf verunsichert Menschen im Stadtteil

Viel Arbeit hat die Ronsdorfer Feuerwehr seit einigen Wochen. Immer wieder muss Matthias Dietrich vom Ronsdorfer Löschzug nachts ausrücken. (Foto: AS)

(Ro./AS) In der Nacht zum Montag erwachten zahlreicheAnwohner im oberen Bereich der Talsperrenstraße von einem lauten Knall. Wenig später waren Einsatzfahrzeuge zu hören. „Im Übergang zum Talsperrenwald brannte ein Stapel Papier“, berichtet Brandinspektor Matthias Dietrich von der Freiwilligen Feuerwehr Ronsdorf auf SonntagsBlatt-Anfrage. Knapp vier Stunden später mussten die Einsatzkräfte erneut zu einem Brand ausrücken. „Gegen 3.45 Uhr wurden wir zu einem Feuer in der Staubenthaler Straße alarmiert“, so Dietrich. Auf dem Gelände einer Tankstelle und Werkstatt brannten drei dort abgestellte PKW. Ein Übergreifen des Brandes auf weitere Fahrzeuge und auf angrenzende Betriebsgebäude konnte durch das schnelle Eingreifen des Ronsdorfer Löschzuges verhindert werden. Schon in den vergangenen drei Wochen musste die Feuerwehr mehrmals zu kleineren Bränden ausrücken, unter anderem an der Lüttringhauser Straße und an der Friedrichshöhe in direkter Nähe zu geparkten Autos. Nach Ansicht von Matthias Dietrich handelt es sich „durchaus um eine ungewöhnliche Häufung von nächtlichen Bränden.“ In den sozialen Netzwerken wächst die Sorge der Menschen im Stadtteil, die nach Auffassung von Matthias Dietrich nicht von der Hand zu weisen sei: „Gemäß den Ermittlungen der Polizei kann Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden“, heißt es.

 

Distanzunterricht bei Inzidenzwert über 200

Wechselunterricht wird aufgrund steigender Infektionszahlen ausgesetzt

Pauken am Küchentisch gilt ab diesem Montag bei einem Inzidenzwert von mehr als 200. (Foto: AS)

(Ro./AS) Schulen auf, Schulen zu – das Wechselspiel scheint anzuhalten. Nachdem die Schulen vor den Osterferien trotz steigender Inzidenzzahlen im Wechselunterricht geöffnet wurden, haben die Schulen an diesem Montag wieder mit dem Lernen auf Dis­­tanz begonnen. Das soll sich nach Willen von Schulministerin Yvonne Gebauer auch nicht ändern, wenn in Kommunen ein Inzidenzwert von 200 vorliegt. Ein Gesetzentwurf auf Bundesebene sieht vor, dass bei einem Inzidenzwert zwischen 100 und 200 ein uneingeschränkter Schulbetrieb zulässig sein soll, der aber eine Testpflicht an den Schulen vorsieht. Eine Testung zu Hause ist nicht zulässig. „Für die Schüler finden in der Schule Selbsttests unter Aufsicht des schulischen Personals statt“, heißt es dazu aus dem Schulministerium in Düsseldorf.

 

„Das Gespräch“ fand online statt

Gleichberechtigung als Thema in der Veranstaltungsreihe

Helene Weber als „Frau der ersten Stunde“. (Foto: privat)

(Ro./NeK) „Natürlich würden wir uns lieber im Gemeindehaus gegenübersitzen und gemeinsam dem Vortrag lauschen“, so führte Daniel Mertmann von der katholischen Sankt Joseph Gemeinde in den Online-Abend ein. Brigitte Gerling-Halbach hatte schon vor Corona-Zeiten die Wuppertaler Historikerin Elke Brychta zu einem Vortrag in der Reihe „Das Gespräch“ eingeladen. In normalen Zeiten findet ein solcher Abend im Gemeindehaus in der Ronsdorfer Straße statt. Besondere Zeiten fordern aber besondere Maßnahmen. So gab es diesen Vortragsabend nicht in Präsenzform, sondern als Online-Version. Auf diese Weise könne aber der Kontakt in der Gemeinde gehalten werden und auch eine aktive Beteiligung wäre möglich, betonte Daniel Mertmann. 28 Personen hatten sich beim Bildungswerk Wuppertal angemeldet und warteten gespannt vor dem Computer auf das Referat.
Thema des Abends war die Wuppertaler Politikerin und Frau der „ersten Stunde“ Helene Weber. Der Lichtbildervortrag von Elke Brychta, die zum ersten Mal ein Online-Referat hielt und an einigen Stellen auch mit der Technik kämpfen musste, gab Einblicke in das bewegte Leben einer bedeutenden Wuppertalerin.
1881 in der Elberfelder Südstadt als Tochter eines konservativen katholischen Volksschullehrers geboren, wurde Helene Weber nach der Schule zunächst Lehrerin. Nach einigen Jahren Schuldienst in Aachen und Elberfeld studierte sie von 1905 bis 1909 Geschichte, Philosophie und Romanistik in Bonn. Anschließend ging sie als Studienrätin in den Schuldienst zurück und unterrichtete ab 1911 in Köln. Dort lernte sie den späteren Bundeskanzler Konrad Ade­­-nauer kennen.
Die Wuppertalerin war in der Weimarer Republik die erste Ministerialrätin in Preußen. Sie wurde jedoch von den Nationalsozialisten 1933 entlassen. Unter den 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rates, die 1949 das Grundgesetzt der Bundesrepublik Deutschland entwarfen, waren nur vier Frauen. Eine davon war das CDU-Mitglied Helene Weber aus Elberfeld. Im Parlamentarischen Rat nahm Weber eine entscheidende Rolle ein. Sie war Schriftführerin im Präsidium, im Ausschuss für Grundsatzfragen und kämpfte vor allem für den Schutz der Ehe, der Familie und das Elternrecht (Art. 6 und 7 GG). Weber war außerdem maßgeblich beteiligt an der Formulierung „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“ (Art. 3 GG). Bekannt wurde sie als katholische Frauenrechtlerin, von der die – auf Kriege bezogene – vielfach zitierte Aussage stammt: „Der reine Männerstaat ist das Verderben der Völker.“ Helene Weber starb 1962 in Bonn.
Es war ein äußerst interessanter Vortrag und Elke Brychta gelang es, die Persönlichkeit der berühmten Wuppertalerin ein Stück weit lebendig werden zu lassen. Der Abend endete mit Fragen der Zuhörer.

 

„Das Buch ist ein Grundnahrungsmittel“

Interview mit der Ronsdorfer Buchhändlerin Susanna Erb

Susanna Erb führt die Bücherstube in Ronsdorf. (Foto: PK)

(Ro./PK) Susanna Erb, in Neuwied am Rhein geboren, lebt seit 1988 in Wuppertal. Seit 1994 als Buchhändlerin in der Ronsdorfer Bücherstube tätig, ist sie seit dem 10. April 2018 Inhaberin des Geschäfts. Die 64-jährige Erb beantwortet unsere Fragen ebenda.
 
Wie hat sich die Arbeit in der Bücherstube in Coronazeiten verändert?
Susanna Erb: Das momentane Procedere des „Click and collect“ wird von den Kunden gut angenommen. Mit einem tagesaktuellen negativen Coronatest dürfen Kunden die Bücherstube auch ohne Termin betreten, allerdings nur zwei zur gleichen Zeit. Alle anderen Kunden bedienen wir so komfortabel wie möglich vor der Ladentür. Dort, wie auch am Telefon oder per mail können Beratungen stattfinden. Der Kontakt zu den Kunden hat sich also nicht wesentlich geändert.
Jetzt, da viele Menschen am liebsten online bestellen, erfahren wir, wie treu unsere Kundschaft ist. Die Menschen unterstützen die Bücherstube trotz der zur Zeit gültigen Einschränkungen bewusst, weil sie wollen, dass wir hierbleiben sollen. Durch diese Hilfe, für die ich extrem dankbar bin, darf ich sagen: Unsere tollen Kunden helfen uns zu überleben. Und schließlich ist das Buch ja auch ein Grundnahrungsmittel.

Wie haben Sie sich selbst verändert?
Erb: Meine Werte haben sich verändert. Ich bin noch bescheidener geworden. Und dankbarer. Für jeden einzelnen Tag, für jeden einzelnen Kunden, für alles. Um den Kopf frei zu bekommen, habe ich angefangen, auch mal einen völlig unbeschwerten Roman zu lesen. Und ich habe in puncto Flexibilität und Spontaneität noch einmal zugelegt.

Können Sie an der Coronakrise etwas Gutes erkennen?
Erb: Corona ist wie ein Brennglas, ein Entwicklungsbeschleuniger. Ich werde immer wieder auf mich selbst zurückgeworfen und beobachte das auch bei anderen. Wer es schafft, zum Beispiel alte, eingesessene Muster zu hinterfragen und zu verändern, kann sich glücklich schätzen. Ich versuche, nach der Maxime zu leben: Annahme statt Widerstand. Das hilft, innerlich zu wachsen.
 
Was machen Sie als Erstes, wenn der Spuk eines Tages vorbei ist?
Erb: Ich habe nicht das Gefühl, derzeit auf etwas zu verzichten. Ich glaube, ich nehme einfach die Maske ab, atme einmal richtig frei durch und freue mich, in unverhüllte Gesichter schauen zu können.
 
Haben Sie Pläne?
Erb: Nein. Soweit es mir gelingt, lebe ich im Hier und Jetzt. Ich bin immer wieder positiv überrascht zu erfahren, was geschieht, wenn ich Fügungen vertraue.

Haben Sie einen Traum?
Erb: Oh ja. Ich träume von einem Leben und einer Welt, in der die Liebe regiert und nicht mehr die Angst.