Impfaktionen im Kampf gegen das Virus beginnen

Bewohner und Mitarbeiter der Ronsdorfer Altenheime in dieser Woche geimpft

Von den rund 120 Mitarbeitern im Diakoniezentrum an der Schenkstraße haben sich 80 am Mittwoch gegen Corona impfen lassen. (Foto: AS)

(Ro./AS) Für viele Menschen ist die Impfung gegen das Coronavirus in diesen Tagen so etwas wie ein rettender Strohhalm im Kampf gegen die Pandemie und bis jetzt sind die Impfverweigerer in der Unterzahl. Das erweckt die Hoffnung auf eine bessere Zeit nach der Pandemie. Das Impfzentrum am Freudenberg hat planmäßig die Arbeit aufgenommen und mit den ersten großangelegten Aktionen Bewohner und Mitarbeiter in Wuppertaler Alten- und Pflegeeinrichtungen geimpft.
Am Mittwoch fand im Diakoniezentrum an der Schenkstraße die erste groß angelegte Impfaktion für Bewohner und Mitarbeiter in Ronsdorf statt. „Rund 260 Impfungen werden heute durchgeführt“, nennt  Ge­schäftsführer Volker Heuwold die Fakten. Rund 120 Bewohner im Altenheim, 80 Mitarbeiter und immerhin 55 Senioren aus der Tagespflege haben sich impfen lassen.
Koordiniert wurde die Aktion durch die Wuppertaler Notärztin Dr. Daniela Stöter, die bereits seit der ersten Impfung im Altenheim an der Elberfelder Vogelsangstraße das Zepter in der Hand hält. Inzwischen hat sie Routine bei der Organisation solcher großangelegten Aktionen. „Niemand wird zur Impfung gezwungen“, stellt sie klar und verweist darauf, dass die Bewohner oder ihre Betreuer im Vorfeld eine Einverständniserklärung abgegeben haben. Sollte es nötig sein, kann diese auch noch zurückgezogen werden, wenn jemand unmittelbar vor der Impfung ein „mulmiges Gefühl“ bekommt. 
Derart mulmig war es Brigitta Mankel nicht, als sie zur Impfung gebeten wurde. Im Gegenteil: „Ein kleiner Pieks, der mir und der Allgemeinheit ein wenig mehr Sicherheit bietet“, findet die rüstige Seniorin und spricht dabei von der lang ersehnten Beruhigung im Umgang mit der Pandemie innerhalb der Einrichtung.
In Ronsdorf waren bekannte Ärzte aus dem Stadtteil und ihre Teams anwesend. So wurden die Impfungen in der Schenkstraße durch Dorothee Korbmacher,  Julia Brandenburger und Giancarlo Rizza durchgeführt. Verabreicht wurde übrigens der Impfstoff von Biontech. Mit dem habe man seit Start der Impfungen Ende letzten Jahres gute Erfahrungen gemacht, betont Daniela Stöter. Nebenwirkungen seien bislang ausgeblieben.
Am Freitagnachmittag wurden im Christlichen Altenheim am Friedenshort etwa 80 Prozent der Bewohner und 45 Prozent der Mitarbeiter geimpft. 
„Bei den Bewohnern und deren Angehörigen war die Reaktion auf die Möglichkeit der Impfung überwiegend positiv“, zieht Einrichtungsleiterin Clau­dia Henze Bilanz. „Wie man an der geringen Prozentzahl der impfwilligen Mitarbeiter sieht, sind im Moment noch nicht alle offen für eine Impfung“, bedauert sie. Coronaerkrankungen gebe es derzeit weder bei den Bewohnern, noch bei Mitarbeitern und Besuchern Am Friedenshort. „Hoffen wir, dass dies so bleibt“, betont Claudia Henze.  Mit dem Abschluss am Friedenshort seien alle Wuppertaler Altenheime einmal durchgeimpft, berichtet Notärztin Dr. Daniela Stöter zufrieden. „Aus einem Fläschchen Impfstoff werden rund sechs Portionen gewonnen – übrig bleibt nichts, das setzt eine genaue Planung im Vorfeld voraus.“
Während die Impfteams gut im Zeitplan sind, laufen die  Tes­­tungen nach wie vor weiter. Nur das Testzentrum in Barmen hat aufgrund der sinkenden Nachfrage am Dienstag den Betrieb eingestellt. Wer sich noch testen lassen möchte, der kann dies nach wie vor in Elberfeld hinter dem ehemaligen Schauspielhaus tun. Der private Dienstleister „Zotz Klimas“, der das Testzentrum betreibt, übernimmt künftig auch die Tests im Drive-in-Test­zen­trum auf dem Hof der Feuerwehr Jägerhaus Linde. Aber Achtung: Nach wie vor werden an der Linde nur Testungen auf Anordnung des Gesundheitsamtes durchgeführt.

 

Möglichst viel Normalität erhalten

Trotz geschlossener AWG-Recyclinghöfe läuft Betrieb weiter

Kurze Wege: Knapp 30 sogenannte AWG-Depotcontainer sind in Ronsdorf vorhanden. (Fotos: AS)

(W./Ro./AS) Die getroffenen Maßnahmen dienen dem Schutz der Mitarbeiter von ESW und AWG, heißt es auf SonntagsBlatt-Anfrage beim Abfallwirtschaftsbetrieb Wuppertal (AWG). Doch der Reihe nach: Bereits im vergangenen Jahr hatten wir berichtet, dass die AWG zum Schutz der Angestellten alle Recyclinghöfe bis auf Weiteres schließe. Betroffen davon sei auch die Anlieferung im  Müllkraftheizwerk auf Korzert durch private Anlieferer. Diese Änderungen gelten vorerst bis Ende Januar 2021. AWG-Geschäftsführer Martin Bickenbach: „Unsere Maßnahmen haben das Ziel, die Kontakte auf ein Minimum zu beschränken und damit alle Bürgerinnen und Bürger und auch unsere Belegschaft vor Ansteckung zu schützen.“ Angesichts der aktuellen Pandemie-Lage stelle sich die AWG darauf ein, dass es weitere Änderungen geben könnte. Derzeit sind aber die haushaltsnahe Müllabfuhr inklusive der Sperrmüll-Abfuhr und der 24-Stunden-Betrieb des Müllheizkraftwerks (MHKW) auf Korzert sichergestellt. Auch hier verweist die AWG auf das Online-Angebot, das viele Serviceleistungen bereithält: Trotz dieser Einschränkungen lassen sich viele Entsorgungsfragen, wie der Sperrmüll-Eilservice, der allgemeine Tonnenservice und der Gewerbeservice rund um die Uhr über die Internetseite und die hier hinterlegten Online-Formulare abwickeln.
Trotz der Schließungen von Wertstoffhöfen und der „Müllverbrennungsanlage“ werden zahlreiche Angebote weiterhin aufrecht erhalten, wie AWG-Sprecher Andreas Spiegelhauer betont: „Für die Entsorgung von Altglas, Altpapier, Altkleidern und ausrangierten Kleinelektro-Geräten hat die AWG zudem an 440 Standorten Depotcontainer aufgestellt.“ Weil es dort gerade rund um die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel stets einen erhöhten Entsorgungsbedarf gegeben habe, hat die AWG auch dieses Jahr den Leerungstakt entsprechend erhöht. „Statt zwei bis drei Mal in der Woche wurden die Depotcontainer deutlich häufiger geleert“, so Spiegelhauer.
Allein in Ronsdorf befinden sich fast 30 Depotcontainer, 15 davon für ausrangierte Kleidung. An 24 Stellen im Stadtteil können ausgediente Elektrogeräte entsorgt werden.

 

Jugendliche können mitbestimmen

Stadtbibliothek sucht lesebegeisterte Jungredakteure

Das Team der Stadtbibliothek würde sich über frischen Wind im Redaktionsteam sehr freuen. (Archivfoto: AS)

(Ro./W./AS) Frischen Wind in die Medienlandschaft der Stadtbibliothek Wuppertal zu bringen, das ist die Idee hinter dem Aufruf von Sarah Redlich: „Das Gerücht, dass Jugendliche immer weniger lesen, hält sich hartnäckig“, bedauert die Bibliothekarin.
Deshalb setzt sie jetzt bei der neuen Ausrichtung des Angebotes auf junge Leute, die lesebegeistert sind und sich auch mit Filmen und Spielen auskennen. Man sucht Jugendliche ab 12 Jahren, die Teil der neu gegründeten Jugendredaktion „Bib4Teene“ werden möchten.
„Die Mitglieder bekommen Neuerscheinungen der Jugendbuchverlage, noch bevor die Titel in die Ausleihe gehen und dürfen diese dann lesen und bewerten“, beschreibt Sarah Redlich. Alle Besprechungen der Jungredakteure werden dann auf dem eigenen Blog „Bib4Teens.de“ veröffentlicht und gehen als direktes Feedback der Zielgruppe auch an die Verlage und Autoren. Natürlich können auch Games und Filme besprochen werden.
Etwas zu bewegen, ist dabei nicht nur ein Nebeneffekt, denn außerdem bestimmen die Jugendlichen mit, welche Medien für den Jugendbereich „4Teens“ der Bibliothek künftig ausgewählt werden.
„Wer Lust hat, Teil der Bib4Teens zu werden, weitere Informationen möchte oder direkt eine Besprechung senden will, kann sich per Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wenden oder man nutzt einfach das Kontaktformular auf bib4teens.de“, erläutert Sarah Redlich das Prozedere.

 

„Corona hat nichts Gutes“

Interview mit Dr. Jochen Denker von der Evangelisch-reformierten Gemeinde

Seit 20 Jahren ist Dr. Jochen Denker Pastor der Evangelisch-reformierten  Gemeinde von Ronsdorf. (Foto: AS)

(Ro./PK) Dr. Jochen Denker ist seit 20 Jahren Pastor der evangelisch-reformierten Gemeinde in Wuppertal-Ronsdorf. Wir haben ihn gefragt, wie er die Corona-Zeit und den momentanen Lockdown erlebt.

Wie hat sich die Gemeinde in der Corona-Zeit verändert?
Dr. Jochen Denker: Was uns als Gemeinde stark macht, fehlt sehr. Man begegnet sich kaum noch. Das Zusammenkommen von Menschen aus allen sozialen Schichten unter dem Dach der Kirche funktioniert zur Zeit nicht. Senioren- und Kinderkreise fallen aus. Wie kann man das ersetzen? Kann man es überhaupt ersetzen? Wir versuchen, so viel wie möglich digital anzubieten. Seit Mitte März 2020 finden unsere Gottesdienste auch digital statt. Die Sitzungen, soweit es geht, ebenso. Viele ehrenamtlich Tätige sind noch aktiver geworden: Telefonate, Grußkarten, Einkaufshilfen – da läuft viel. Die Kontakte sind sicher weniger geworden, aber dadurch auch intensiver.

Wie haben Sie sich in der Corona-Zeit verändert?
Dr. Denker: Ich denke über viele Dinge anders nach. Das Jahr 2020 war für mich persönlich auch gesundheitlich kein Gutes. Wenn man mal kurz ,ganz raus’ ist, bekommt man eine Distanz zu den Dingen, die man tut. Das geht bis zur Frage, ob das, was man gerade tut, wirklich sinnvoll ist. Ich bin in diesem Jahr wachsamer geworden, in politischen und in sozialen Dingen. Man reflektiert viele Dinge anders. Fragen nach dem, was Kirche in der Gesellschaft ist und was genau ,freie Religionsausübung’ meint, beschäftigen mich. Elementare Fragen sind wichtiger geworden. Aber das geht vielen Menschen in der Gemeinde so.

Gibt es einen positiven Aspekt an der Coronakrise?
Dr. Denker: Für mich nicht. Ich hätte auf all das gerne verzichten können. Das Virus hat für mich nichts Gutes. Wenn wir jetzt neu ins Nachdenken kommen, ist das natürlich gut - aber es ist bitter, dass wir dazu einen Virus brauchen. Uns verbindet eine gemeinsame Not, die wir auch nur gemeinsam überwinden können. Wenn wir das kapieren würden, auch bei anderen Dingen, das wäre gut.

Was fehlt am meisten?
Dr. Denker: Menschen in den Arm nehmen zu können. Und das Singen miteinander. Und der unkomplizierte Austausch.

Wie haben Sie Weihnachten und Silvester verbracht?
Dr. Denker: Ich war am Heiligen Abend zum ersten Mal nachmittags zu Hause. Die zwei Abendgottesdienste in der Kirche waren sehr emotional. Es durften nur ganz wenig Menschen da sein, aber alle haben gespürt, dass sie für viele andere dort waren. Es gibt ja eine Traurigkeit, die nicht trüb ist, weil ich das Schöne, was ich gerade erlebe, auch anderen Menschen wünsche. So habe ich mich gefühlt. Und Silvester: In Ronsdorf wurde noch recht viel geböllert, wenn auch weniger als sonst. Für mich wäre das immer genug. Die seit dem Advent angeschlossene Mini-Light-Show an unserer Kirche hat mir gut gefallen.

Welchen Traum haben Sie?
Dr. Denker: Wir sollten in ein paar Jahren sagen können: Die Corona-Zeit war ein echter Stress-Test, persönlich und für unsere Gesellschaften. Aber wir haben es geschafft und sind dadurch zusammengewachsen, ,sozialer’ geworden. Weltweit! Das war schon vor Corona der biblische Traum Gottes für uns. Meine persönlichen Träume haben mit den Menschen zu tun, die mir ganz nahe sind.

Was machen Sie als Erstes, wenn Corona eines Tages  Geschichte ist?
Dr. Denker: Einen Hugging-Day ausrufen und mit vielen Menschen zusammen eine Riesensause auf dem Bandwirkerplatz machen.